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Analverkehr
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Unter Analverkehr, auch Analsex, Analkoitus bzw. Coitus analis oder Coitus per anumcite-ref-1[1] (von lateinisch anus „After“) genannt, versteht man das EinfĂŒhren des erigierten mĂ€nnlichen Penis in den Anus des Sexualpartners.cite-ref-2[2] Anogenitaler Geschlechtsverkehrcite-ref-3[3] wird sowohl zwischen hetero- als auch homosexuellen Partnern praktiziert. Sowohl fĂŒr den aktiven wie fĂŒr den rezeptiven (bzw. passiven oder empfangenden) Partner kann Analverkehr lustvoll sein. MĂ€nner und Frauen können dabei zum Orgasmus kommen.cite-ref-guide-4-0[4] Der Analverkehr erfordert unter UmstĂ€nden vorbereitende Maßnahmen und ein im Vergleich zum Vaginalverkehr behutsameres Vorgehen.cite-ref-guide-4-1[4]cite-ref-5[5]

In der europĂ€ischen Antike sowie in außereuropĂ€ischen Kulturen war der heterosexuelle Analverkehr eine gĂ€ngige Sexualpraktik. Analverkehr unter MĂ€nnern wurde besonders in Griechenland gesellschaftlich großenteils akzeptiert,cite-ref-6[6] in Bezug auf MĂ€nner in der Rolle des rezeptiven Partners teils als unehrenhaft angesehen.cite-ref-7[7] Im christlich-abendlĂ€ndischen Kulturkreis wurde der Analverkehr zwischen Mann und Frau lange tabuisiert.cite-ref-kinsey-8-0[8] Statistiken zufolge hat gegenwĂ€rtig die Anzahl der Menschen, die Analverkehr praktizieren, im Vergleich zu frĂŒheren Jahren zugenommen.cite-ref-9[9]cite-ref-10[10] Unklar ist allerdings, ob den steigenden Zahlen eine durch Enttabuisierung des Analverkehrs bedingte offenere Auskunftsbereitschaft zugrunde liegt oder eine tatsĂ€chliche Erhöhung.cite-ref-popu-11-0[11]cite-ref-desired-12-0[12]

In der Tiermedizin bezeichnet man das versehentliche EinfĂŒhren des Penis in den Mastdarm beim Deckakt als Verdecken.cite-ref-13[13]

Contents

‱ Prinzip
‱ Vorbereitung
‱ Stellungen
‱ Siehe auch
‱ Literatur
‱ Weblinks

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DurchfĂŒhrung

Prinzip

Der Afterbereich (Rosette) ist bei vielen Menschen jeglichen Geschlechts eine erogene Zone, die mit vielen Nervenenden ausgestattet ist. Beim Mann in der rezeptiven Rolle erfolgt beim Analverkehr zusÀtzlich eine Reizung der sexuell empfindlichen Prostata, die einen Orgasmus auslösen kann.cite-ref-14[14] Bei der Frau können durch die anale Penetration auch das Scheidengewebe mit der G-Zone und der AFE-Zone stimuliert werden.

Als aktiver Partner wird diejenige Person bezeichnet, die ihren Penis einfĂŒhrt (insertiver Analverkehr), als (ano)rezeptiv oder passiv, diejenige, bei der der Penis eingefĂŒhrt wird (rezeptiver Analverkehr). Diese Praktik setzt ein hohes Maß an Vertrauen voraus und wird von vielen Menschen als besonders intim empfunden. Aktiver Analverkehr gehört fĂŒr viele MĂ€nner zu den lustvollsten Sexualpraktiken. Rezeptiver Analverkehr wird in vielen FĂ€llen beim ersten Mal als unangenehm, jedoch mit wiederholter DurchfĂŒhrung zunehmend als lustvoll erlebt.cite-ref-15[15]

Vorbereitung

Elementare Vorbereitung sollte die DefĂ€kation bei dem zu penetrierenden Partner sein. Eine SpĂŒlung des Enddarms mit warmem Wasser ist nicht notwendig, aber eine Option, um sich sicher zu fĂŒhlen, dass er vollstĂ€ndig entleert ist. Um von beiden Partnern als lustbringend erlebt zu werden, erfordert der Analverkehr fĂŒr viele Menschen ein ausgiebiges Vorspiel in Form von Petting, Massieren des Perineums, Streicheln und Antippen der den Anus umgebenden Haut (Auslösung des Analreflexes), eventuell auch per Anilingus, sowie spezielle Vorbereitungen fĂŒr das Eindringen.cite-ref-16[16] Der GynĂ€kologin Sheila de Liz zufolge kommt der schrittweisen Vorbereitung mit Finger oder Butt-Plug sowie ausreichend Gleitgelcite-ref-17[17] eine wesentliche Rolle zu:

„Wichtig ist, dass ihr fĂŒr alles Gleitgel benutzt und zwar sehr, sehr viel. Ihr könnt zum Dehnen des Schließmuskels einen Finger nehmen oder einen sogenannten Butt-Plug, den man im Sexshop kaufen kann. Sie sind in zwei GrĂ¶ĂŸen erhĂ€ltlich. Kauft den kleinen, wenn ihr Analsex zum ersten Mal ausprobiert. Gebt dem Schließmuskel zwei bis fĂŒnf Minuten Zeit, um sich an den Fremdkörper zu gewöhnen und sich langsam zu dehnen. Wer mit den Fingern arbeitet, kann danach vorsichtig einen zweiten einfĂŒhren.“

–

Sheila de Liz

Als Vorbereitung ist eine langsame Dehnung des Anus mit den Fingern oder einem Butt Plug sehr wichtig. Durch die Vordehnung kann eine Entspannung des Schließmuskels erreicht oder gefördert werden. Lou Paget empfiehlt, den Analbereich gut mit Gleitgel zu erwĂ€rmen und erst mit einem Finger fĂŒr eine Minute, dann mit zwei Fingern fĂŒr zwei Minuten zu dehnen.cite-ref-20[20] Butt-Plugs können auch vorher ĂŒber einige Stunden getragen werden.cite-ref-gofem-18-1[18]

Ein vorbereitend eindringender Finger kann mit einem Einmalhandschuh sauber gehalten werden und der Handschuh hier mit dem Gleitmittel besonders gleitfĂ€hig gemacht werden. Die Verwendung eines Kondoms fĂŒr die penile Penetration wird in der Sexualhygiene empfohlen;cite-ref-21[21] dabei sollte ein Gleitmittel auf Wasser- oder Silikon-Basis benutzt werden, da fetthaltige Gleitmittel wie Öl und Vaseline das Kondom-Material angreifen und daher ungeeignet sind.cite-ref-22[22]

Stimulation und Erregung

FĂŒr den aktiven Partner bedeutet die anale Penetration mit dem Penis aufgrund der engen und potenziell muskulösen Körperöffnung eine besonders intensive mechanische Stimulation am Penis. Der Penis wird von den Schließmuskeln des Anus im Vergleich zur Vagina fester umschlossen. Viele MĂ€nner finden das Enge-GefĂŒhl durch das Umspannen und die starke Reibung besonders erregend.cite-ref-analverkehr-wissen-23-0[23]

Der Anus selbst stellt eine erogene Zone dar, so dass anale Stimulation unabhĂ€ngig vom Geschlecht als lustvoll erlebt werden kann.cite-ref-24[24]cite-ref-25[25] Zahlreiche Nervenenden finden sich rund um den Ă€ußeren Schließmuskel sowie im Anus. Beim Analverkehr können bei der Frau die posterioren WĂ€nde der Vagina durch Druck und Bewegung stimuliert werden. Generell fördert die Aktivierung der Beckenbodenmuskulatur mit dem PC-Muskel angenehme sexuelle Empfindungen und eine Erregungssteigerung bis zum Orgasmus.cite-ref-26[26]cite-ref-dodson-254-271-27-0[27]

FĂŒr einige Frauen ist durch rein anale Stimulation ein Orgasmus möglich. Viele benötigen jedoch fĂŒr einen Orgasmus neben dem Analverkehr zusĂ€tzliche genitale Stimulation.cite-ref-desired-12-1[12]cite-ref-28[28] Die Kombination von Analverkehr mit manueller Stimulation der Klitoris wird oftmals als besonders lustvoll beschrieben.cite-ref-dodson-254-271-27-1[27]cite-ref-orgasms-from-anal-29-0[29]cite-ref-mcbride-30-0[30]

Laut Men’s Health soll eine Erhebung von US-Forschern vom Center of Sexual Health Promotion in einer Studie mit fast 6000 Frauen ergeben haben, dass mehr Frauen einen Orgasmus beim Analverkehr erlangen als bei anderen Formen sexueller Stimulation.cite-ref-analverkehr-wissen-23-1[23]cite-ref-indiana-31-0[31] Diese Aussage stimmt allerdings nicht mit den Ergebnissen des Center for Positive Sexuality ĂŒberein, wonach nach Befragung nur 25 % der heterosexuellen Probandinnen angaben, beim Analverkehr einen Orgasmus gehabt zu haben, und in einer darin zitierten Studie von Fahs et al. (2015) nur 13 % angaben, ihre bisherigen Analsex-Erfahrungen genossen zu haben.cite-ref-32[32]

FĂŒr MĂ€nner ist die rezeptive Rolle zusĂ€tzlich genussvoll, da ihre Prostata massiert wird und sich das innere Ende des mittleren Penisschwellkörpers oberhalb des Perineums nahe am Anus befindet. Die Lustempfindung und der mögliche intensive Orgasmus fĂŒr den Mann ist dabei Ă€hnlich bedingt wie bei Frauen bei der vaginalen Penetration, wobei anstelle der Stimulation der weiblichen G-Zone eine Stimulation der Prostata als mĂ€nnlicher Entsprechung zur G-Zone erfolgt.cite-ref-33[33] Bei MĂ€nnern wird empfangender Analsex zwar teilweise noch mit HomosexualitĂ€t in Verbindung gebracht,cite-ref-34[34]cite-ref-35[35] es gibt ihn jedoch auch als manuelle Prostatamassage und in Form von Pegging beim Sex mit weiblichen Partnern.cite-ref-dodson-254-271-27-2[27]

Stellungen

Die Position kann so gewĂ€hlt werden, dass auch der rezeptive (empfangende) Partner Kontrolle ausĂŒbt. Das heißt, er kann Tiefe und Rhythmus der Penetration mitbestimmen oder sogar vorgeben.cite-ref-36[36] GĂŒnstig ist eine Stellung, in der der rezeptive Partner die Geschwindigkeit und die Tiefe der Penetration selbst bestimmen kann. Der Penis sollte langsam, mit Phasen des Stillstands zur weiteren Entspannung, eindringen.cite-ref-diezeit2018-37-0[37] Bei behutsamem Eindringen und reichlicher Verwendung von Gleitmittel ist Analverkehr unter gĂŒnstigen Voraussetzungen schmerzfrei. Aufgrund von individuellen Unterschieden im Körperbau kann er jedoch auch trotz guter Vorbereitung und Übung fĂŒr manche Menschen auf Dauer schmerzhaft sein. In diesem Fall sind andere Sexualpraktiken vorzuziehen.cite-ref-38[38]

Übliche Stellungen sind die Reiterstellung, wo der Empfangende die meiste Kontrolle hat, und die A-tergo-Stellung.cite-ref-39[39] Die Löffelchenstellung bietet den Vorteil, dass die Muskeln hierbei besonders entspannt sind.cite-ref-40[40]cite-ref-41[41]

Mögliche Probleme und Komplikationen

Sexuell ĂŒbertragbare Krankheiten

Wenn bestimmte Keime aus dem Enddarm der Frau oder des Mannes mit der Hand, mit dem Penis oder einem Sextoy in die Vulva oder in die Vagina gebracht werden, können sie eine bakterielle Vaginose hervorrufen.cite-ref-42[42] Zur Vorbeugung dient besondere Sexualhygiene, um solche Übertragungen zu vermeiden.

Wie auch bei anderen Sexualpraktiken besteht bei ungeschĂŒtztem Verkehr das Risiko, sich mit einer sexuell ĂŒbertragbaren Erkrankung anzustecken, insbesondere mit HIV, Hepatitis B oder Hepatitis C. Beim Verkehr mit Personen mit positivem oder unklarem HIV-Status sollte ein Kondom verwendet werden; eine erhöhte Sicherheit können spezielle, extra-stabile PrĂ€servative bieten, die eine höhere ElastizitĂ€t und eine dickere WandstĂ€rke aufweisen.

Die Verwendung von Gleitmitteln reduziert das Verletzungsrisiko deutlich. Das Humane Papillomvirus (HPV) steht im Verdacht, eine der Ursache des Analkarzinoms zu sein.cite-ref-gnantschlag2008-43-0[43] Hierbei gilt Analverkehr ohne Kondome als risikobehafteter, da die Gefahr von Mikroverletzungen höher eingestuft wird als bei anderen Sexualpraktiken.cite-ref-44[44]cite-ref-45[45]cite-ref-46[46]

Hygiene

Bedenken bezĂŒglich der Hygiene beziehen sich meistens auf im Enddarm befindliche FĂ€kalreste. Die Angst, beim Sex mit Kot in Kontakt zu kommen, ist jedoch grĂ¶ĂŸtenteils unbegrĂŒndet.cite-ref-diezeit2018-37-1[37]cite-ref-loveandsex-47-0[47] Nach der DefĂ€kation verbleibt kaum Stuhl im Enddarm. Anus und Enddarm stellen DurchgangskanĂ€le dar und sind nur unmittelbar vor und wĂ€hrend der DefĂ€kation mit Kot gefĂŒllt.cite-ref-48[48] Dennoch kann es sein, dass der Penis mit kleinen Mengen Kot in BerĂŒhrung kommt. Sollten diesbezĂŒglich Bedenken bestehen, kann ein Kondom ihn sauber halten. Eine vorbereitende SpĂŒlung gibt Sicherheit; sie sollte aber nicht unmittelbar vorher, sondern mindestens eine Stunde frĂŒher erfolgen, damit das Wasser genĂŒgend Zeit hat, den Darm vollstĂ€ndig zu verlassen.cite-ref-49[49]

Falls eine Frau mit Kondom anal penetriert wurde und der Penis danach in die Vagina eingefĂŒhrt werden soll, muss das Kondom abgezogen werden. Der Mann sollte seinen Penis und die Frau ihren Analbereich grĂŒndlich waschen. Ohne diese Maßnahmen können Bakterien aus dem Darm eine bakterielle Vaginose oder einen Harnwegsinfekt auslösen.cite-ref-diezeit2018-37-2[37]cite-ref-50[50]

Schmerzen

Siehe auch

:

Analverkehr → Vorbereitung

Es ist nicht ungewöhnlich, dass Analverkehr fĂŒr den rezeptiven Partner anfangs unangenehm ist.cite-ref-7dinge-51-0[51] Eine US-amerikanische Studie von 2015 ergab, dass rund 72 % der Frauen und 15 % der MĂ€nner ĂŒber Schmerzen beim Analverkehr berichteten, wobei der Prozentsatz der Frauen mit mĂ€ĂŸigen oder starken Schmerzen am grĂ¶ĂŸten war, und dass ein großer Teil der Amerikaner ĂŒber ihre Schmerzen beim Sex nicht mit dem Partner spricht.cite-ref-52[52]

Verschiedene Faktoren können dazu beitragen, dass beim Analsex Schmerzen auftreten. Schon bestehendes Wundsein am Anus wird durch die anale Penetration verstĂ€rkt, wobei Schmerzen spĂŒrbar werden. Bei einer schon vorhandenen oder durch die anale Penetration verursachten Analfissur entstehen heftige Schmerzen.cite-ref-53[53]cite-ref-54[54] Bei schon vorhandenen HĂ€morrhoiden können Schmerzen ausgelöst werden.cite-ref-55[55] In einer Studie zur Analpathologie von mit HIV infizierten Patienten wurde bei 208 von 473 mindestens eine makroskopische anale Verletzung festgestellt, 50 hatten Analfissuren und 44 hatten andere anale Verletzungen. Auch bei kleinen Verletzungen können beim Analverkehr Schmerzen auftreten.cite-ref-56[56] Vermeidbare Ursachen sind mangelnde sehr langsame Vordehnung, zu schnelles Eindringen des Penis, unzureichende Lubrikation (Gleitgel) und eine ungĂŒnstige Stellung. Psychische Bedingungen wie fehlende IntimitĂ€t oder bei einem Partner fehlende Bereitschaft,cite-ref-57[57] VernachlĂ€ssigung des erforderlichen Vorspiels oder die Erwartungshaltung, dass „Schmerz unvermeidbar“ sei, sowie die „Hervorhebung der Bedeutung des Ereignisses“ können zur Verkrampfung des Schließmuskels und dadurch zu Schmerzen fĂŒhren.cite-ref-58[58]

Wenn keines dieser Probleme vorliegt, von denen jedes eine Kontraindikation gegen Analverkehr darstellt, sollte schmerzfreier Analsex möglich sein. FĂŒr dennoch auftretende Schmerzen gibt es Auslöser, die sich durch angemessene Handhabung des Vorgangs vermeiden lassen.

Eine Kinsey-Studie kommt zum Ergebnis, dass Viele anfangs einen gewissen Schmerz verspĂŒren:

„Fast 70 Prozent der Frauen aus der Kinsey-Studie berichten von Schmerzen beim ersten Analsex. Aufgrund schlechter Erfahrungen scheuen viele Frauen einen zweiten Anlauf [
] mit der richtigen Grundeinstellung, Vorbereitung und Technik verursacht die anale Penetration aber in der Regel keine Schmerzen.“cite-ref-analverkehr-wissen-23-2[23]cite-ref-refinery29-59-0[59]

Schmerzhafte Empfindungen fĂŒr den rezeptiven Partner sind jedoch auch bei entsprechender Vorbereitung bei vielen Paaren nicht vollstĂ€ndig vermeidbar, werden aber oft als initiales PhĂ€nomen, d. h. direkt anfangs nach dem Eindringen des Penis, empfunden, welches im Verlauf einem Lustempfinden weicht.cite-ref-60[60]

Sonstige Gesundheitsrisiken

Verschiedene Praktiken, die mit der analen SexualitĂ€t verbunden sind, bergen das Potenzial fĂŒr medizinische Komplikationen in sich. Dazu gehören anale Masturbation, EinlĂ€ufe, sexuell bedingte anorektale Erkrankungen und die Gefahren von ungeeigneten Fremdkörpern, die in den Enddarm eingefĂŒhrt werden.cite-ref-61[61]

Durch Verletzungen kann eine sekundĂ€re Proktitis (EntzĂŒndung des Mastdarms) entstehen.cite-ref-62[62] Durch Analverkehr verursachte Analfissuren sind ebenfalls ein relevantes Risiko.cite-ref-63[63]

HĂ€ufig wird gesagt, dass Analverkehr zur Erschlaffung des Schließmuskels fĂŒhren kann. BezĂŒglich des Ruhetonus, der Grundspannung des Analkanals, wurde nach einer Studie eine Verminderung der Spannung verzeichnet.cite-ref-64[64] Einige Mediziner vermuten, dass die Herabsetzung des Ruhetonus bei den an der Studie teilnehmenden Probanden durch das Erlernen der Entspannung des Schließmuskels bedingt ist.cite-ref-65[65]

Die National Health and Nutrition Examination Survey analysierte die Daten von 6.150 Erwachsenen auf einen möglichen Zusammenhang von Analsex und Stuhlinkontinenz. Insgesamt fĂŒllten 4.170 Erwachsene im Alter von 20 bis 69 Jahren (2.070 Frauen und 2.100 MĂ€nner) Fragebögen aus. Rezeptiver Analverkehr war bei Frauen (37,3 %) hĂ€ufiger als bei MĂ€nnern (4,5 %). Die Rate der Stuhlinkontinenz war bei Frauen (9,9 vs. 7,4 %) und MĂ€nnern (11,6 vs. 5,3 %), die ĂŒber Analverkehr berichteten, höher als bei denen, die keinen hatten. Nach multivariabler Adjustierung fĂŒr andere mit Stuhlinkontinenz assoziierte Faktoren blieb Analverkehr ein PrĂ€diktor fĂŒr Stuhlinkontinenz bei Frauen (POR: 1,5; 95 % Konfidenzintervall (CI): 1,0-2,0) und MĂ€nnern (POR: 2,8; 95 % CI: 1,6-5,0).cite-ref-66[66] Die Studie wurde in der Medical News Today kritisiert mit der BegrĂŒndung, andere Faktoren, die zur Entstehung von Stuhlinkontinenz fĂŒhren, seien nicht berĂŒcksichtigt worden,cite-ref-67[67] obgleich eine multivariable Adjustierung fĂŒr andere mit Stuhlinkontinenz assoziierte Faktoren durchgefĂŒhrt wurde.

Von einem Teil der Mediziner wird angenommen, dass Analverkehr zu einer Erhöhung des Risikos fĂŒr einen Rektumprolaps beitragen kann.cite-ref-68[68] In einer Studie von 2005 zeigte sich keine Evidenz fĂŒr eine erhöhte HĂ€ufigkeit des Auftretens.cite-ref-69[69]

In einer Studie von 2015 berichteten Frauen teilweise, dass Schmerzen wÀhrend des Analverkehrs durch Verwendung von illegalen Drogen gemildert wurden.cite-ref-l-reynolds-d-g-2015-70-0[70]

Bei anhaltenden Problemen sollte die AusĂŒbung des Analverkehrs pausiert und gegebenenfalls ein Arzt aufgesucht werden. Das McKinley Health Center der UniversitĂ€t Illinois gibt die Empfehlung:

„Wenn Sie Schmerzen, wunde Stellen, Ausfluss oder Klumpen am oder im Anus bemerken, sollten Sie so schnell wie möglich mit einem Arzt oder einer Ärztin einen Termin vereinbaren.“cite-ref-71[71]

ZustĂ€ndig sind die FachĂ€rzte fĂŒr Proktologie.

EmpfĂ€ngnisverhĂŒtung

Obwohl durch Analsex selbst keine Schwangerschaft ausgelöst werden kann, ist es möglich, dass bei Analsex ohne Kondom aus dem Anus herausfließendes Sperma in die Vagina gelangt, wodurch es zur EmpfĂ€ngnis kommen kann.

Soziokulturelle Aspekte

Geschichtlicher Überblick

Analverkehr ist in historischen Quellen seit der Antike und auch ĂŒber viele Kulturen hinweg dokumentiert. Darstellungen von heterosexuellem Analverkehr finden sich beispielsweise in Kunst und Artefakten aus der Antike. Aufzeichnungen zeigen, dass (heterosexueller) Analverkehr im alten Mesopotamien als normale und nicht tabuisierte Form der SexualitĂ€t angesehen wurde. Es sind sogar konkrete praktische RatschlĂ€ge in mythologischer Form ĂŒberliefert, wie beispielsweise der Hinweis, dass direkt nach dem Analverkehr der Penis nicht in die Vagina eingefĂŒhrt werden sollte.cite-ref-72[72]cite-ref-73[73]

In einigen prĂ€kolumbischen Ethnien wie der Mochica-Kultur war er vermutlich die hĂ€ufigste Form des Geschlechtsverkehrs zwischen Mann und Frau. Peruanische Keramikfiguren der Mochica aus der Zeit um ca. 300 n. Chr. sind einige der frĂŒhesten und anschaulichsten Beispiele fĂŒr solche Darstellungen. Eine Untersuchung von Mochica-Darstellungen ergab, dass 31 % heterosexuellen Analverkehr darstellten, deutlich mehr als jeden anderen sexuellen Akt. Die heutige anthropologische Forschung geht davon aus, dass die Mochica in ihrer alltĂ€glichen SexualitĂ€t zum Zweck von IntimitĂ€t und Lustgewinn ĂŒberwiegend Analverkehr praktizierten, wohingegen Vaginalverkehr vor allem der Fortpflanzung diente.cite-ref-mcbride-30-1[30]cite-ref-74[74]cite-ref-75[75]

Chinesische und japanische Shunga, Holzschnitte und gemalte oder gezeichnete Handrollen, die ab dem 16. Jahrhundert Verbreitung fanden, sowie die französische erotische Fotografie und Lithografie des spĂ€ten 19. und frĂŒhen 20. Jahrhunderts umfassen zahlreiche Darstellungen des Analverkehrs.cite-ref-mcbride-30-2[30]

Verbreitung in der Bevölkerung

Ob heutzutage tatsĂ€chlich mehr Analverkehr praktiziert wird oder lediglich die Bereitschaft gestiegen ist, dies auch in Umfragen anzugeben und darĂŒber zu sprechen, ist nicht vollstĂ€ndig geklĂ€rt. Nicht zuletzt die zunehmende Offenheit und PrĂ€senz sexueller Themen in den Medien deuten auf eine Enttabuisierung hin, welche die Auskunftsbereitschaft zu dem Thema erhöht.cite-ref-popu-11-1[11]cite-ref-76[76] So kommt eine diskursanalytische Untersuchung aus dem Jahr 2020 durch Maria JoĂŁo Faustino, Psychologin an der University of Auckland, zu der EinschĂ€tzung, dass eine Normalisierung in der gesellschaftlichen Wertung des Analverkehrs hin zu einer gewöhnlichen Sexualpraktik stattgefunden hat, die mit bestimmten Erwartungshaltungen einhergeht:cite-ref-77[77]

“For hetero women of my generation, admitting you haven’t tried anal is so rare that oftentimes, it’s easy to feel like it’s tantamount to saying you’re a prude who hates sex. (
) A generation or so ago, admitting you’d never had anal sex before would be far less shocking than admitting the reverse. But we’ve reached the point in our culture where if you’re a sexually active hetero woman, butt sex is now considered a de rigeur staple of your sexual repertoire.”

„FĂŒr Hetero-Frauen meiner Generation ist zuzugeben, dass man es nicht anal probiert hat, so selten, dass es oft einfach ist, das GefĂŒhl zu haben, als sei es gleichbedeutend damit, zu sagen, man sei eine PrĂŒde, die Sex hasst. [
] Vor einer Generation oder so wĂ€re es weit weniger schockierend, zuzugeben, dass man noch nie Analsex hatte, als das Gegenteil zuzugeben. Aber wir haben in unserer Kultur den Punkt erreicht, an dem, wenn man eine sexuell aktive Hetero-Frau ist, Analsex nun als ein unerlĂ€sslicher Teil seines Sexualrepertoires gilt.“

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Maria JoĂŁo Faustino

FĂŒr eine reale Zunahme des Analverkehrs wĂŒrde die Tatsache sprechen, dass die VerfĂŒgbarkeit von Informationen ĂŒber das Internet ein wachsendes Interesse hervorruft, indem Neugier auf neue Sexualpraktiken geweckt wird. Debby Herbenick, Sexualwissenschaftlerin und Autorin einer 2010 durchgefĂŒhrten umfangreichen Studie zum Sexualverhalten, meinte hierzu:cite-ref-78[78]

“Men and women have always enjoyed having anal sex, so we’re not sure why there’s been a sudden increase, but it might have something to do with the Internet, which was in its infancy the last time a survey of this magnitude was conducted.”

„MĂ€nner und Frauen haben schon immer Analverkehr genossen. Wir sind also nicht sicher, warum es einen plötzlichen Anstieg gegeben hat, aber es könnte etwas mit dem Internet zu tun haben, welches sich in der Anfangsphase befand, als das letzte Mal [im Jahr 1992] eine Studie dieser GrĂ¶ĂŸenordnung durchgefĂŒhrt wurde.“

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Debby Herbenick

Statistiken zu bisheriger Erfahrung mit Analverkehr

So berichtet das US-amerikanische Centers for Disease Control and Prevention in einer Studie aus dem Jahr 2006 von einer anhaltenden Zunahme in den letzten Jahren.cite-ref-79[79] In einer US-amerikanischen Studie erklĂ€rten 16 Prozent der heterosexuellen Jugendlichen, schon mindestens einmal Analverkehr gehabt zu haben.cite-ref-80[80] In einer 2010 in den USA durchgefĂŒhrten Studie hatten in der Altersgruppe 18–19 Jahre 20 % der weiblichen Befragten, in der Altersgruppe der 20–24-JĂ€hrigen 40 % Erfahrungen mit Analverkehr. Dies stellt eine Verdoppelung gegenĂŒber der letzten vergleichbaren Umfrage im Jahr 1992 dar.cite-ref-indiana-31-1[31]

Nach neueren Studien hatten in den USA 2015 etwa ein Drittel, in Deutschland zirka die HĂ€lfte aller heterosexuellen Paare mindestens einmal Erfahrungen mit Analverkehr.cite-ref-desired-12-2[12]cite-ref-huffingtonpost-frauen-81-0[81]cite-ref-82[82] Bei den Befragungen in den USA gaben 13,2 % der Frauen an, in letzter Zeit Analverkehr gehabt zu haben. Nach Studien in Afrika sĂŒdlich der Sahara ergaben SchĂ€tzungen, dass 5 bis 15 % der Jugendlichen damit Erfahrung hatten, 10 bis 20 % in der allgemeinen Bevölkerung im Laufe ihres Lebens und 16 bis 43 % der Prostituierten.cite-ref-83[83]cite-ref-84[84]cite-ref-benson-micks-85-0[85]cite-ref-86[86]cite-ref-referencea-87-0[87]

Eine Studie aus dem Jahr 2008, durchgefĂŒhrt von Forschern der Deutschen Gesellschaft fĂŒr Sexualforschung und der City University, ergab, dass 49,1 % der Deutschen, unabhĂ€ngig vom Geschlecht, bereits Erfahrungen mit Analsex gemacht haben.cite-ref-88[88]

Die deutsche Zeitschrift Neon befragte junge Erwachsene im Alter von 20 bis 35 Jahren, mit dem Ergebnis, dass 47 % der MĂ€nner und 57 % der Frauen angaben, bereits Analverkehr praktiziert zu haben.cite-ref-89[89]

Eine Studie in Österreich im Jahr 2006 unter Jugendlichen ergab je nach Region unterschiedliche Anteile: In Wien gaben 52 % der Befragten an, Erfahrungen mit Analverkehr gemacht zu haben, im Burgenland waren es lediglich 37 %.cite-ref-90[90] In Deutschland gaben 2007 in einer Umfrage 23 % der MĂ€nner und 17 % der Frauen an, schon einmal Analverkehr praktiziert zu haben.cite-ref-91[91] Eine 2016 unter heterosexuellen Jugendlichen (15–19 Jahre) in den USA durchgefĂŒhrte Studie ergab, dass 19 % bereits Erfahrung damit hatten,cite-ref-benson-gilmore-92-0[92] bei 12-JĂ€hrigen hatten bereits 6,5 % Analverkehr praktiziert.cite-ref-93[93]

Statistiken zu Analverkehr als regelmĂ€ĂŸige Sexualpraktik

Es zeichnet sich ab, dass sich Analverkehr auch unter Heterosexuellen inzwischen als normale sexuelle Spielart etabliert hat. Der Anteil der Befragten, die nicht nur ĂŒber Erfahrungen damit berichten, sondern diesen regelmĂ€ĂŸig praktizieren, fĂ€llt im Vergleich zu frĂŒheren Studien höher aus.cite-ref-indiana-31-2[31]cite-ref-benson-micks-85-1[85]cite-ref-referencea-87-1[87]cite-ref-usstudy-94-0[94]cite-ref-95[95]

In den USA praktizieren 15 % der heterosexuellen Jugendlichen (15–19 Jahre) ihn regelmĂ€ĂŸig, wobei erhebliche WissenslĂŒcken in Bezug auf die Übertragung von HIV bestehen und hĂ€ufig kein Kondom verwendet wird, so dass gerade bei Teenagern eine unverhĂ€ltnismĂ€ĂŸig hohe Zahl neuer FĂ€lle von HIV und sexuell ĂŒbertragbaren Infektionen verzeichnet wurde.cite-ref-benson-gilmore-92-1[92]

Von 350 sexuell erfahrenen weiblichen Jugendlichen im Alter von 12–18 Jahren, die an einer Studie von 2007 in einem stĂ€dtischen Gesundheitszentrum teilnahmen, gaben 86 % an feste Beziehungen zu haben, 41 % hatten Gelegenheitssex. 6 % der MĂ€dchen mit festen Partnern und 12 % der MĂ€dchen mit Gelegenheitspartnern hatten Analverkehr. Von ersteren entschieden sich 8,5 % und von letzteren 41,2 % fĂŒr den Analverkehr als „eine Form der SchwangerschaftsverhĂŒtung“.cite-ref-96[96]

Geschlechtsspezifische Einstellungen

Die qualitative Sozialforschung beschreibt bei der Kommunikation ĂŒber Analverkehr Unterschiede bei den Geschlechtern. MĂ€nner gehen offener mit dem Thema um, wĂ€hrend Frauen das Thema eher tabuisieren und im GesprĂ€ch untereinander vermeiden.cite-ref-mcbride-30-3[30]cite-ref-benson2019-97-0[97]

Motive der Frauen fĂŒr den Analverkehr mit einem Mann:

‱ um einem mĂ€nnlichen Partner zu gefallen
‱ aus eigenem Wunsch
‱ als Reaktion auf eine Quid-pro-quo-Situation

Zu den negativen emotionalen Erfahrungen gehörten SchamgefĂŒhl und Ekel. Zu den positiven körperlichen Erfahrungen gehörte, dass sie das GefĂŒhl mochten. Viele Frauen sprachen von positiven emotionalen Erfahrungen, es sei sehr intim und etwas, das sie nur besonderen Partnern vorbehalten. Die meisten Episoden waren ungeplant und wurden vor dem Beginn nicht besprochen. In einer Untersuchung von 2015 sagten selbst die Frauen, die den Analverkehr als angenehm empfanden, dass sie vaginalen Geschlechtsverkehr bevorzugten.cite-ref-l-reynolds-d-g-2015-70-1[70]

Eine Befragung von 20 US-Amerikanerinnen von 2019 im Alter von 18 bis 50 Jahren, die in den letzten drei Monaten Analverkehr mit einem Mann hatten, ergab, dass ihre Absicht von ihrer Einstellung dazu und vom Grad der Kontrolle und des Vertrauens in ihre Partner beeinflusst wurde. Hauptmotivatoren waren der Partner, das eigene VergnĂŒgen, sexuelle Neugier und Experimentierfreude. Die meisten Studienteilnehmerinnen schilderten als anfĂ€ngliche negative Erfahrungen Schmerzen. Mehrere Frauen beschrieben es als negativ, weil sie nicht zugestimmt hatten oder ihre Zustimmung erzwungen wurde. Viele berichteten aber von nachfolgenden positiven Erfahrungen oder VerĂ€nderung im Laufe der Zeit. Die HĂ€lfte gab an, weniger als einmal pro Monat Analverkehr zu haben, nur 15 % berichteten, einmal oder mehrmals pro Woche Analverkehr zu haben. 35 % benutzten dafĂŒr immer Kondome, 55 % nie.

Die meisten empfanden die gesellschaftlichen Wertungen in Bezug auf Analverkehr als negativ, jedoch hielten diese vermeintlichen Normen sie nicht vom Analverkehr ab, schienen aber die Bekanntgabe ihres sexuellen Verhaltens im Freundeskreis und gegenĂŒber Ärzten zu unterbinden.cite-ref-98[98]

Einige Frauen bevorzugen jedoch den Analverkehr gegenĂŒber dem Vaginalverkehr und haben dabei intensivere sexuelle Empfindungen.cite-ref-popu-11-2[11]cite-ref-99[99]

Bei vielen MĂ€nnern besteht ein prinzipielles Interesse, es wird jedoch gegenĂŒber der Partnerin hĂ€ufig aus Angst vor Ablehnung nicht angesprochen und umgesetzt. Es gibt die BefĂŒrchtung, die Partnerin wĂŒrde dem Analverkehr prinzipiell ablehnend begegnen oder nur dem Partner zuliebe mitmachen. Rezeptiver Analverkehr ist eine Frage der persönlichen PrĂ€ferenz, jedoch empfinden viele Menschen ihn als sehr lustvoll.cite-ref-100[100]

Die Einstellungen zum Analverkehr scheinen sich zwischen den Geschlechtern anzugleichen: Bei frĂŒheren Studien zeigte sich hĂ€ufig eine stĂ€rker positive Einstellung bei MĂ€nnern. Aktuelle Studien deuten darauf hin, dass die Zahl von Frauen, die Analverkehr in Ă€hnlichem Ausmaß wĂŒnschen, ansteigt. Von beiden Geschlechtern wird Analverkehr zunehmend als bereichernde Erweiterung ihres Sexuallebens angesehen.cite-ref-101[101]cite-ref-102[102]cite-ref-103[103]

Analverkehr in Kunst und Kultur

‱ In der Philosophie im Boudoir von de Sade lassen sich die Protagonisten ĂŒber viele Seiten hinweg ĂŒber das Thema aus.
‱ Analspielzeug, anale Dehnung und Unterwerfung durch Analverkehr spielen bei Geschichte der O von Pauline Reage eine wesentliche Rolle.
‱ Im Film Der letzte Tango in Paris aus dem Jahr 1972 kommt es zum Analverkehr zwischen Marlon Brando und Maria Schneider. Dies war die erste explizite Darstellung in einer großen Hollywood-Produktion und sorgte in vielen LĂ€ndern fĂŒr einen Skandal.
‱ Zwei der bekanntesten Darstellungen von Analverkehr in der modernen Kunst sind Jeff Koons Bilder Red Butt (Distance) und Red Butt (Close Up) aus dem Jahr 1991, die den KĂŒnstler beim Analverkehr mit seiner Ehefrau Ilona Staller zeigen.
‱ Die Autorin Tristan Taormino erzielte einen großen Erfolg mit ihrem Buch Ultimate Guide to Anal Sex for Women. Sie gibt darin Tipps und versucht, gĂ€ngigen Vorbehalten entgegenzutreten. Das Buch war ein Überraschungserfolg und fand große mediale Beachtung.cite-ref-104[104]
‱ Der Rapper Sido provozierte 2002 mit seinem Arschficksong, in welchem er in drastischer Sprache Analverkehr beschreibt. Das Lied wurde der BundesprĂŒfstelle fĂŒr jugendgefĂ€hrdende Medien vorgelegt, konnte jedoch wegen einer vorhergehenden FSK-16-Freigabe nicht mehr indiziert werden.

Analverkehr und sexuelle Orientierung

Analsex ist bei gleich- wie bei gegengeschlechtlichem Sex Bestandteil des Repertoires. Analverkehr wird sowohl von homo- als auch heterosexuellen Personen prozentual gesehen im gleichen Ausmaß praktiziert. Die Ansicht, Analverkehr werde hauptsĂ€chlich zwischen homosexuellen MĂ€nnern praktiziert, ist daher falsch.cite-ref-kinsey-8-1[8] In einer Studie von 1999 gab ein Drittel der befragten homosexuellen MĂ€nner an, sich entschieden zu haben, nicht regelmĂ€ĂŸig Analverkehr zu praktizieren. Die althergebrachte Vorstellung, dass es in gleichgeschlechtlichen Beziehungen zwischen MĂ€nnern einen aktiven und einen rezeptiven Partner gebe, wobei der Rezeptive als „weniger mĂ€nnlich“ angesehen werde, konnte nicht bestĂ€tigt werden. Die meisten MĂ€nner, die Analsex hatten, spielten beide Rollen.cite-ref-105[105]

Dennoch wird dieses Vorurteil oftmals bedient. In einigen Staaten existieren sogar strafrechtliche Sanktionierungen, die Analverkehr unter Strafe stellen oder zumindest als unerwĂŒnscht deklarieren. Diese Gesetze und Vorschriften dienen in der Praxis meist der Abschreckung und Strafverfolgung homosexueller MĂ€nner und finden selten Anwendung bei heterosexuellem Analverkehr.

LĂ€nder mit strafrechtlicher Sanktionierung

→

Hauptartikel

:

Gesetze zur HomosexualitÀt

und

Sodomiterverfolgung

Im Gegensatz zu Europa und SĂŒdamerika (mit Ausnahme von Guyana), wo Analverkehr straffrei ist, sehen viele afrikanische Staaten Strafen fĂŒr diese Sexualpraktik vor.

England (historisch)
Nach dem Buggery Act stand auf Analverkehr seit 1533 die Todesstrafe. Das Strafmaß wurde 1861 in lebenslange Freiheitsstrafe umgewandelt. Seit 1967 ist Analverkehr zwischen MĂ€nnern in England kein Verbrechen mehr, und seit 2003 unterscheidet das englische Strafrecht nicht mehr zwischen Vaginal- und Analverkehr.
Guyana
Der Criminal Law Offences Act bestraft versuchten Analverkehr in Guyana mit zwei Jahren Haft, Analverkehr selbst wird mit bis zu zehn Jahren Haft geahndet.
Indonesien
In Aceh besteht Strafbarkeit. Ab 2025 ist bundesweit vorehelicher Geschlechts- und Analverkehr sowie HomosexualitÀt in Indonesien strafbar.
Iran
Analverkehr zwischen Ehegatten ist straffrei. Vorehelicher Geschlechts- und Analverkehr ist strafbar. HomosexualitÀt wird im Iran mit der Todesstrafe bestraft.
Jamaika
Artikel 76 des Offenses against the Person Act ahndet schwulen Sex in Jamaika nach einem Gesetz aus der britischen Kolonialzeit als „das abscheuliche Verbrechen der Sodomie“ (the abominable crime of buggery) mit bis zu zehn Jahren GefĂ€ngnis, verbunden mit schwerer Zwangsarbeit, siehe HomosexualitĂ€t in Jamaika.
Japan
Analverkehr wurde 1873 verboten, dieses Gesetz wurde jedoch im Jahr 1880 wieder zurĂŒckgenommen, siehe HomosexualitĂ€t in Japan.
Kanada
WĂ€hrend das allgemeine Schutzalter fĂŒr sonstige hetero- und homosexuelle Handlungen 16 Jahre betrĂ€gt, ist Analverkehr (hetero- wie homosexuell) nur dann legal, wenn beide Partner mindestens 18 Jahre alt sind.cite-ref-106[106]cite-ref-107[107]
Kirgisistan (historisch)
In Kirgisistan konnte der Analverkehr bis 2002 mit bis zu 20 Jahren Haft bestraft werden. Verurteilungen nach diesem Gesetz waren selten.
Saudi-Arabien
In Saudi-Arabien ist Analverkehr zwischen Mann und Frau verboten und kann mit GefĂ€ngnis, Geldstrafen und fĂŒr den Mann mit Peitschenhieben geahndet werden. Auf HomosexualitĂ€t in Saudi-Arabien steht die Todesstrafe.
Singapur (historisch)
In Singapur war frĂŒher Analverkehr ebenso wie Oralverkehr verboten. Darauf konnten bis zu zehn Jahre Haftstrafe stehen oder ein Bußgeld in der Höhe von umgerechnet 10.000 Euro. Diese Praktiken wurden allerdings fĂŒr heterosexuelle Paare 2007 und fĂŒr gleichgeschlechtliche 2022 legalisiert, siehe HomosexualitĂ€t in Singapur.
Vereinigte Staaten (historisch)
In den US-Bundesstaaten Arkansas, Kansas, Missouri, Oklahoma und Texas bestand bis 2003 ein generelles gesetzliches Verbot der AusĂŒbung von Analverkehr.
In zwölf weiteren Bundesstaaten war Analverkehr zwischen gleichgeschlechtlichen Partnern verboten. Allerdings waren Verurteilungen in der Praxis Ă€ußerst selten, etwa fĂŒr Missbrauch von MinderjĂ€hrigen – was zwar ohnehin nach anderen Gesetzen zu bestrafen wĂ€re, in diesen FĂ€llen aber einer doppelten Bestrafung unterlag. Nach einem Beschluss des Obersten Gerichtshofes der Vereinigten Staaten aus dem Jahr 2003 im Fall Lawrence v. Texas sind solche Rechtsbestimmungen nichtig. (→ Chronologie der Sodomiegesetze in den Vereinigten Staaten)

Siehe auch

‱ Analerotik
‱ Dilatator
‱ Figging

Literatur

Geschichte:

‱ Hans-JĂŒrgen Döpp (Text): Ein Lob auf den Hintern, Parkstone Press International, New York, 2012, ISBN 978-1-84484-793-8.

Ratgeber:

‱ Lou Paget: Die perfekte Leidenschaft – 365 Tipps und Techniken, die sie und ihn verrĂŒckt machen. Goldmann, MĂŒnchen 2004, ISBN 3-442-16565-2.
‱ Alexa Adore: Ratgeber Analsex: Tipps und Tricks fĂŒr sicheren Analverkehr und genussvolle Anal-Erotik. Flexible Literature, 2007, ISBN 978-3-937825-65-6.
‱ Toni Bentley: The surrender. An erotic memoir. Regan Books, New York 2004, ISBN 0-06-073247-4.
‱ Jack Morin: Anal pleasure & health. A guide for men and women. Down There Press, San Francisco 1997, ISBN 0-940208-20-2.
‱ Tristan Taormino: Ultimate Guide to Anal Sex for Women. Cleis Press, San Francisco 1997, ISBN 1-57344-028-0.
‱ Tristan Taormino: The Anal Sex Position Guide. Quiver Book, Beverly 2009, ISBN 978-1-59233-356-1.

Weblinks

‱ Literatur von und ĂŒber Analverkehr im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
‱ Tipps zur Vorbereitung und DurchfĂŒhrung von Analsex – AOK
‱ Die neue POpulĂ€r-Kultur. SĂŒddeutsche Zeitung
‱ The Bottom Line. New York Magazine (englisch)
‱ Analsex - unser Hintern, unser unterschĂ€tztes Lustzentrum – WDR2
‱ Analsex – Bayerischer Rundfunk

Einzelnachweise

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cite-note-22. ↑ Maxim Zetkin, Herbert Schaldach: Lexikon der Medizin. 16. Auflage. Ullstein Medical Verlag, Wiesbaden 1999, ISBN 3-86126-126-X, S. 81.
cite-note-33. ↑ Willibald Pschyrembel: Klinisches Wörterbuch. 267. Auflage, de Gruyter Verlag, Berlin/Boston 2017, ISBN 978-3-11-049497-6, S. 82.
cite-note-guide-44. ↑ Tristan Taormino: Ultimate Guide to Anal Sex for Women. Cleis Press, San Francisco 1997, ISBN 1-57344-028-0.
cite-note-55. ↑ Anal sex: Let’s get to the bottom of this. In: The Daily of the University of Washington.
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cite-note-kinsey-88. ↑ June M. Reinisch, Ruth Beasley: Der Neue Kinsey-Institut-Report – SexualitĂ€t heute. Wilhelm Heyne Verlag, 1991, ISBN 3-453-05195-5.
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cite-note-5252. ↑ Debby Herbenick, Vanessa Schick, Stephanie A. Sanders, Michael Reece, J. Dennis Fortenberry: Pain Experienced During Vaginal and Anal Intercourse with Other‐Sex Partners: Findings from a Nationally Representative Probability Study in the United States. In: The Journal of Sexual Medicine. Band 12, Nr. 4, 1. April 2015, ISSN 1743-6095, S. 1040–1051, doi:10.1111/jsm.12841, PMID 25648245 (jsexmed.org [abgerufen am 5. November 2022]).
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